Emotionsfokussierte Therapie
Emotionsfokussierte Therapie
Gefühle zeigen uns, was uns wichtig ist und was wir brauchen. Manchmal sind sie aber schwer zu verstehen. Oder alte Gefühle wie Scham und Angst halten uns fest, obwohl die Lage heute eine andere ist.
Die emotionsfokussierte Therapie setzt hier an. Sie stammt aus der humanistischen Psychotherapie. Der Psychologe Leslie Greenberg hat sie ab den 1980er-Jahren in Kanada mit KollegInnen entwickelt.
In Deutschland ist die emotionsfokussierte Therapie kein eigenes anerkanntes Psychotherapieverfahren. Wir nutzen sie als Methode, also als Baustein innerhalb einer Psychotherapie in einem anerkannten Verfahren.
Für wen?
Emotionsfokussierte Methoden können helfen, wenn Gefühle im Mittelpunkt Ihrer Beschwerden stehen. Das kann zum Beispiel so aussehen:
- Sie werten sich ständig selbst ab und fühlen sich wertlos oder beschämt.
- Alte Kränkungen, Wut oder Trauer um einen wichtigen Menschen lassen Sie nicht los.
- Sie spüren Ihre Gefühle kaum oder können sie schwer ausdrücken.
- Angst oder Scham sind viel stärker, als es Ihre heutige Lage erklärt.
- Sie fühlen sich innerlich zerrissen, etwa zwischen „Ich sollte“ und „Ich will“.
Solche Muster kommen bei verschiedenen Beschwerden vor, etwa bei Depressionen, Angststörungen oder Traumafolgestörungen. Emotionsfokussierte Methoden lassen sich dann in die Behandlung einbinden. Ob das in Ihrem Fall sinnvoll ist, klären wir in den ersten Sitzungen.
Die Methode hat Grenzen. In einer akuten Krise oder wenn Gefühle Sie schnell überwältigen, kommt zuerst die Stabilisierung. Nach schweren Belastungen gehen wir besonders behutsam vor, mehr dazu unter Traumatherapie.
Wie läuft es ab?
Grundlage ist eine einfühlsame und annehmende therapeutische Beziehung. Ihre Therapeutin oder Ihr Therapeut hört genau zu und fragt immer wieder nach, was Sie gerade spüren.
- Erstgespräch und Diagnostik: In den ersten Sitzungen klären wir Ihre Beschwerden und Ziele. Dabei besprechen wir auch, ob emotionsfokussierte Methoden zu Ihnen passen.
- Gefühle wahrnehmen: Sie lernen, Gefühle früher zu bemerken, auch im Körper. Gemeinsam suchen wir Worte dafür, etwa „eng in der Brust“ oder „klein und hilflos“.
- Gefühle verstehen: Wir schauen, was unter der Oberfläche liegt. Hinter Ärger steckt zum Beispiel manchmal eine Kränkung. So wird oft deutlicher, was Sie brauchen.
- Gefühle verändern: Ein schmerzliches Gefühl kann sich wandeln, wenn ein anderes Gefühl dazukommt. So kann Mitgefühl mit sich selbst die Scham mildern. Dabei hilft unter anderem die Stuhlarbeit.
- Übertragen in den Alltag: Wir besprechen, wie Sie das Erlebte zwischen den Sitzungen nutzen können.
Die Stuhlarbeit hat ihre Wurzeln unter anderem in der Gestalttherapie. Ein zweiter Stuhl steht im Raum, und Sie wechseln zwischen beiden Plätzen hin und her. So können zwei Seiten in Ihnen miteinander sprechen, etwa ein strenger innerer Kritiker und der Teil, der leidet.
Bei einer anderen Form stellen Sie sich auf dem leeren Stuhl einen wichtigen Menschen vor. Sie sagen ihm, was bisher ungesagt geblieben ist. Das kann helfen, eine alte Kränkung oder einen Verlust zu verarbeiten.
Eine Sitzung dauert in der Regel 50 Minuten und findet meist einmal pro Woche statt.
Hier erscheint in Kürze ein Video.
Wer übernimmt die Kosten?
Wir sind eine reine Privatpraxis.
Emotionsfokussierte Methoden sind bei uns keine eigene Leistung, sondern Teil einer Psychotherapie. Private Krankenversicherung und Beihilfe können die Kosten ganz oder anteilig übernehmen, wenn eine behandlungsbedürftige Diagnose vorliegt. Maßgeblich sind Ihr Tarif und die Beihilferegeln.
Häufige Fragen
Nein, die Stuhlarbeit ist ein Angebot. Anfangs kann sie sich ungewohnt anfühlen. Dieselben Themen lassen sich auch im Gespräch bearbeiten.
Ja. Gefühle können in einer Sitzung und danach vorübergehend stärker werden. Wir achten auf Ihr Tempo, und Sie können jederzeit eine Pause machen.
Das ist nicht ungewöhnlich. Wir beginnen mit kleinen Schritten, zum Beispiel mit Empfindungen im Körper. Gefühle wahrzunehmen ist schon ein wichtiger Teil der Arbeit.
Nicht ganz. Die Gesprächspsychotherapie nach Carl Rogers ist eine ihrer Wurzeln. In der emotionsfokussierten Therapie lenken TherapeutInnen die Aufmerksamkeit aber gezielter auf Gefühle und schlagen Übungen wie die Stuhlarbeit vor.
Es gibt Studien, zum Beispiel zur Behandlung von Depressionen. Insgesamt ist die Forschung aber weniger umfangreich als etwa zur Verhaltenstherapie. Ob die Methode zu Ihnen passt, besprechen wir offen mit Ihnen.

